Geburtstagsgedichte klassisch / alt

Als ein Gast in diesem Hause,
liebe Freunde, will ich heben
jetzt mein Glas: Hoch sollst Du leben,
der/die uns heute hat geladen,
um bei frohem Trunk und Schmause
zu begleiten Dich auf neuen
noch ganz unbekannten Pfaden
durch des Lebens Wunderwelten:

In der Freunde trauter Runde
wollen wir Dich gern betreuen,
und zur ersten frühen Stunde
soll Dir unser Glückwunsch gelten
für Gesundheit, Gottes Segen.
Heute und auf allen Wegen
möge Dich ein Stern begleiten,
segensreich Dir und den Andern,
die Dir mögen treu zur Seiten
auf dem Lebenswege wandern.
Aller Fährnis tiefer Trost
– Harmonie und Seelenfrieden –
sei – vor Allem! – Dir beschieden!
Und nun hebt die Gläser: PROST !

Geburtstagsmorgen voll Licht und voll Glanz,
die Sonne im Fenster, die Schritte im Gang,
die Stimme der Mutter, der Kuchenkranz
auf dem Tisch, und im Schein
der fünf Kerzen die Märchenwelt
meiner Kindheit. So viel fällt mir ein:
Die Feste mit Freunden, mit Wein und Gesang,
der Garten, die Laube, Girlanden im Zelt,
der Tisch und die Bänke und Tanzen beim Klang
einer Geige — Erinnerung —
Geburtstagsabend: ein Abgesang —

Lieber Freund, sei uns gegrüßt!
Wir, die Deine Stimme ruft
zu versammeln uns im Kreis,
wollen heute fröhlich sein.

Und der Tag sei Dir versüßt
mit des Weines edlem Duft,
mit der Tafel schnee’gem Weiß
und der Kerzen mildem Schein.

Die Gedanken wandern fort
hin zu jenem andern Ort
und zurück in jene Zeit,
die man nennt VERGANGENHEIT.

Still gedenken — ach, es müsst
doch nicht gar so tief die Kluft
und so hoch nicht sein der Preis —
IHRER, die uns ließ allein:

Weißt Du noch, wie Du geküsst
JENE, die nun in der Gruft
ruhet aus von ihrem Fleiß
und ging in den Himmel ein?

Und ein Gruß kommt auch von dort,
nimmt den Schleier mit sich fort,
wandelt alle Traurigkeit
sacht in stille Heiterkeit.



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